Samstag, 8. Dezember 2018

Wendewörter und neue Grammatik

Praktisch die gesamte relevante Welt teilt eine Lebenseinstellung und sieht sie wie ein  Naturgesetz, obwohl nichts in der Natur — außer dem erwachsenen Menschen — sich so verhält:

Unser Wertesystem, unsere Meinung über das Zusammenkommen von Menschen und natürlich die Sprache, die Literatur, die Kunstformen, ja unsere Haltung dem ganzen Universum gegenüber haben sich während dieser Jahrtausende gemäß diesem Paradigma geformt:

Um etwas zu bekommen muss man etwas geben (?)

Dabei genügt ein kurzer Blick in jedwede Richtung, dass wir alles bekommen und dafür nichts zu geben brauchen: Alles ist bereits da und war es lange schon vor unserer Zeit.

So wie jedes neue Lebewesen in die Welt fällt und sie vermehrt, wird, was schon war, reicher und voller, für die nächsten, die kommen.

Siehe auch das wundervolle Gedicht: «Die Fülle» [hier klicken] 

RUF und GUTARBEIT

Je mehr wir den UBUNTU.wirtschaftsraum weiterentwickeln ergibt sich laufend die Erfordernis, neue Begriffe und neue Wörter mit neuen Bedeutungen zu erfinden. Durch jahrtausendelange einseitig geprägte Verwendungen ist es heutzutage kaum möglich, Wörter zu benutzen, die nichts mit Kaufen, Eigentum, Handel, Geld, Schulden, Finanz und Tausend Gleichartigem zu tun haben.

Durch die Erfindung des Wirtschaftens (endlich ein Wort, das nichts mit Geld zu tun hat!) OHNE GELD mussten wir Worte für die Vorgänge dabei finden. Wir nennen nun einen solchen Vorgang einen «RUF» (= das Geben und Nehmen von Waren oder Leistungen) mit dieser Wortfamilie:
  • ausrufen ... etwas anbieten
  • abrufen ... etwas annehmen, übernehmen, in Besitz übernehmen
  • hinrufen ... liefern
  • wegrufen ... an einen anderen Besitzer (ab)geben
Da es in einer Wirtschaft außer Waren und Leistungen (erfolgen von Lieferanten zu Konsumenten) auch Arbeiten gibt, die unabhängig von Rufen zu machen sind (zB Verwaltungs-, Organisations-, Gemeinschaftsarbeiten) hat sich nunmehr die Erfordernis ergeben, auch solche Vorgänge OHNE BEZAHLUNG neu zu benennen (das gebräuchliche Wort «ehrenamtlich» hat für mich einen hintergründig abwertenden uns ausgrenzenden Beiton).

Dafür haben wir «GUTARBEIT» gefunden, zur Wortherkunft siehe DUDEN Herkunftswörterbuch:

Und zum Begriff der Arbeit (viele Menschen mögen das Wort ja nicht so gerne 😉:
Den sittlichen Wert der Arbeit als Beruf des Menschen in der Welt hat Luther mit seiner Lehre zum allgemeinen Priestertum ausgeprägt. Er folgte dabei Ansätzen zu einer Wertung der Arbeit, wie sie sich in der Ethik des Rittertums und der mittelalterlichen Mystik finden. Dadurch verlor das Wort «Arbeit» weitgehend den heransetzenden Sinn «unwürdige, mühselige Tätigkeit». Es bezeichnete nun die zweckmäßige Beschäftigung und das berufliche Tätigsein des Menschen.
Einige grammatische Formen dazu sind:
ich gutarbeite
du gutarbeitest
er/sie/es gutarbeitet
wir gutarbeiten
ihr gutarbeitet
sie gutarbeiten

ich habe gutarbeitet
ich werde gutarbeiten
du hattest gutarbeitet
wir haben gutarbeitet gehabt

gutarbeitend
gegutarbeitet habend

gut, besser, am besten gutarbeitend

Was für ein Abenteuer!


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